aktualisiert am 21. September

 

An dieser Stelle behandeln wir aktuelle Themen.

 
Studiengang Bauingenieurwesen nimmt 2018 in Kiel Betrieb auf!

 

 




Die VSVI-SH richtet eine Stellungnahme zu dem Thema Planungsbeschleunigung von Infrastrukturmaßnahmen an den Wirtschaftsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages:

Wirtschaftsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages
Vorsitzender Herrn Dr. Tietze
Düsternbrooker Weg 70
24105 Kiel

Planungsverfahren für die Infrastruktur beschleunigen

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, 
sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 6. Oktober 2017, mit dem Sie der Vereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure Schleswig-Holstein e.V. (VSVI-SH) die Möglichkeit einer Stellungnahme zu dem Thema Planungsbeschleunigung von Infrastrukturmaßnahmen einräumen. 

Die VSVI-SH begrüßt die Initiative des Landtags, verschiedene Interessengruppen zur Planungsbeschleunigung anzuhören und daraus eine Gesetzesinitiative abzuleiten.
Die beiden in Bezug genannten Drucksachen machen im Ansatz bereits deutlich, wie dringlich aber auch komplex das Thema ist.
Ausgehend von den in den Anträgen genannten Aspekten sind es aus Sicht der VSVISH folgende Schwerpunkte, die im Zusammenhang mit der Planungsbeschleunigung stehen: 

· Dauer und Umfang von Genehmigungsverfahren
· Politische Legitimation
· Beteiligungsverfahren für Infrastrukturmaßnahmen, die die 
  Öffentlichkeit in den Planungsprozess einbinden
· Komplexität und Umfang der Fachgutachten
· Stetige Fortentwicklung des Planungsrechtes, u.a. durch 
  Urteile

· Finanzielle und personelle Ausstattung der Behörden und   
  Auslastung der Fachgutachter sowie Fachkräftemangel.   

Eine Arbeitsgruppe der VSVI-SH hat sich mit den o.a. Schwer-punkten befasst und Lösungsansätze nachfolgend näher aus-geführt: 

· Recht/Genehmigungsverfahren
· Technik/Standardisierung
· Organisation

· Politische Legitimation
· Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung

Bei der Befassung mit den einzelnen Themenbereichen ist ins-besondere der Abschlussbericht (Mai 2017) des auf Bundes-ebene eingesetzten „Innovationsforums Planungsbeschleu-nigung“ berücksichtigt worden.

1. Recht/Genehmigungsverfahren

Die Genehmigung von Verkehrsinfrastrukturprojekten wird durch ein komplexes gesetzliches Umfeld und insbesondere durch die europarechtlichen Vorgaben bestimmt, so dass Beschleunigungspotentiale eingeschränkt sind.

Grundsätzlich sollten daher auf Landesebene die länderspezifischen Regelungen nicht über die Regelungen der EU oder des Bundes hinausgehen.
Bei Betrachtung einzelner Infrastrukturvorhaben (z.B. Ersatzneubauten von Brücken) stellt sich die Frage, ob nicht öfter vereinfachte Genehmigungsverfahren (Plangenehmi-gung) zur Anwendung kommen können. Um rechtssicher Bauvorhaben vorzubereiten, wird oftmals ein Planfest-stellungsverfahren durchgeführt, obwohl nach den gesetzlichen Regelungen eine Plangenehmigung möglich wäre insbesondere wenn nur eine kleine oder keine „Änderung“ vorliegt. Zur Stärkung der Rechtssicherheit schlägt das „Innovationsforum Planungsbeschleunigung“ vor, dass in einer Anlage zu den Fachplanungsgesetzen Kategorien für vereinfachte Verfahren genannt werden und ggf. auch Ausnahmeregelungen (Plangenehmigung trotz UVP-Pflicht) aufgenommen werden. Diese Empfehlung unterstützt die VSVI-SH.
Auch der Vorschlag des „Innovationsforums Planungsbe-schleunigung“ integrierte Planungs- und Genehmigungs-prozesse durchzuführen. D.h. dass Raumordnungsbelange im Rahmen der Planfeststellung mit geprüft werden, wird für sinnvoll gehalten.
Diese Verfahrensweise führt zur Auseinandersetzung mit der Umweltverträglichkeitsprüfung an einer Stelle. Die Präklusions-regelung (Ausschluss bestimmter Rechtshandlungen oder Rechte) sollte wieder eingeführt werden. Die aktuelle Fassung des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes sieht aufgrund der Rechtsprechung des EuGHs leider nur eine Präklusion in Missbrauchsfällen vor.
Im Weiteren wird dafür geworben, dass ein Stichtag für die anzuwendende Sach- und Rechtslage festgelegt wird, um aufwendige zeitverzögernde neue bzw. ergänzende Erhebungen und Planänderungen zu vermeiden.

2. Technik/Standardisierung

Die Standardisierung von Planunterlagen (insbesondere für die Planfeststellung) kann zur Vereinheitlichung beitragen und auch im Hinblick auf den Umfang der Planunterlagen Grenzen setzen.
Planunterlagen im Planungsprozess werden je nach Planungstiefe immer detaillierter und unterliegen ver-schiedenen Prüfungen Es ist sinnvoll die Prüfkriterien der Planungstiefe anzupassen, zu standardisieren und gestuft rechtssicher abzuarbeiten.
Die Möglichkeiten zur Digitalisierung der Planung und des Baus von Verkehrsinfrastruktur haben sich in den vergangenen Jahren weiter entwickelt und bieten Planern, Genehmigungs-behörden und den am Bau Beteiligten vielfältige Möglichkeiten.







Neben der Visualisierung für die Öffentlichkeitsbeteiligung wird es insbesondere 
mit dem Building Information Modeling (BIM) möglich, neben der dreidimensionalen Abbildung auch Kosten und Zeit über den gesamten Planungs- und Bauprozess zu erfassen. Voraussetzung ist dafür eine Vorgabe einheitlicher Datenstrukturen.
Von Seiten der VSVI-SH wird die Mitwirkung auch der Verwaltung am BIMProzess für wichtig erachtet. Insoweit wird begrüßt, dass die Straßenbauverwaltung Schleswig-Holstein bereits sich mit dem Pilotprojekt „Erweiterung der Rastanlage Ellund an der A7“ am Prozess beteiligt.

3. Organisation/Fachkräfte

Der in der Drucksache 19/94 formulierte Vorschlag wird begrüßt, die Planungskapazitäten für das Land beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) weiter aufzustocken, um die Maßnahmen des Investitionshochlaufs (Bund, Land, Kreise) weiterhin kompetent, sorgfältig und transparent abzuwickeln.
Die Einführung eines zusätzlichen Studiengangs Bau-ingenieurwesen zur Ausbildung von Straßenbau und Verkehrsingenieuren an einem weiteren Standort in SH wird begrüßt.
Austausch von Personal und Kompetenz: es sollten verbesserte Möglichkeiten für einen Übergang von Fachkräften zwischen Wirtschaft, Lehre und Verwaltung geschaffen werden (z. B. Anerkennung der Berufserfahrung in der Wirtschaft).
Zur organisatorischen Straffung der Prozesse ist eine Bündel-ung der Finanzverantwortung für die Planungs- und Reali-sierungskosten zielführend.

4. Politische Legitimation

Parlamente als Volksvertretungen spielen derzeit beim Planungsprozess eine geringe Rolle. Lediglich bei den Ausbaugesetzen zu den Bedarfsplänen erfolgt eine parlamentarische Befassung. Ungelöste politische Konflikte um Infrastrukturvorhaben werden in die Verwaltungsverfahren gelegt.
Sofern Projekte parteiübergreifend getragen werden oder frühzeitig eine partnerschaftliche Zusammenarbeit einsetzt, kann damit einer konfrontativen Grundhaltungen vorgebeugt werden. Wichtig ist, dass einmal getroffene Entscheidungen des Parlaments weiter gelten, insbesondere um Planungssicherheit zu gewährleisten.
Für bedeutende Projekte wie die A20 oder auch die Fehmarnbelt Querung würden - analog zu den dänischen Planungs- und Baugesetzen - Entscheidungen des Parlaments besonders zum „Ob“ aber auch zum „Wie“ sicher zur Planungsbeschleunigung beitragen. Inwieweit dies bezüglich der im Grundgesetz verankerten Gewaltenteilung und der Mitwirkungsrechte umsetzbar ist, kann nicht überblickt werden. Unabhängig von den vorgenannten Vorstellungen wird begrüßt, dass die Fachministerien das gemeinsame Gespräch mit Verbänden, insbesondere mit den Naturschutzverbänden suchen.

5. Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung

Dem Thema „Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung“ im Kontext von immer länger werdenden Planungszeiten und mangelnder Durchsetzbarkeit von Planungsvorhaben wurde zunehmend Bedeutung beigemessen. Mittlerweile sind Regelungen zur frühen Öffentlichkeitsbeteiligung gesetzlich verankert worden (in SH § 83 a Abs. 3 LVerwG).
Unabhängig davon haben die Planer es sich auch schon davor zur Aufgabe gemacht, die Bürger/Verbände bereits vor dem offiziellen Genehmigungsverfahren frühzeitig zu informieren und sehen die Bürgerbeteiligung als Chance, um ein Projekt konstruktiv voranzubringen und dabei die kritischen Stimmen der Betroffenen zu berücksichtigen.
Zweifel bestehen jedoch, ob in Deutschland aufgrund der Mentalität („nicht vor meiner Haustür“, Kritik ohne Alternativvorschläge) die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung aufwändige Klageverfahren verhindern kann.
Deutlich sollte werden in welchem Schritt über das „Ob“ und in welcher Planungsphase über das „Wie“ diskutiert wird. Bei klarer Systematik wird eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung dann zum Erfolg. Bei einer frühen Einbeziehung sind Änderungen noch leichter möglich. D.h. vor Festlegung auf eine Lösungsvariante erfolgt ein ergebnisoffenes Verfahren. Der im Alternativantrag (Drucksache 19/94) formulierte Vorschlag von Planungs- und Zukunftswerkstätten klingt insoweit zielführend.
Da der Abschlussbericht des Innovationsforums Planungs-beschleunigung aus Mai 2017 sehr aktuell ist und alle Facetten des Planungsprozesses beleuchtet, wird von Seiten der VSVI-SH empfohlen, dass die Landesregierung den Bund auffordert, die Handlungsempfehlungen zügig aufzugreifen und den Umsetzungsprozess zu starten.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Paraknewitz

Stellungnahme als pdf-Datei [hier] herunterladen.

Der Ingenieurmangel ist ein hochaktuelles Thema!

 


sh:z in der Ausgabe vom 17. November 2017


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Die VSVI-SH ist sehr daran interessiert, das sich verschärfende Problem des 'Ingenieurmangel' kontinuierlich zu thematisieren. Daher erscheinen auf ihrer Internetpräsenz in loser Folge Informationen zu der darüber geführten öffentlichen Diskussion.

Dr.-Ing. Manfred Hase ist auch Vorstandsmitglied der VSVI-SH. In seiner Funktion als Referent für Öffentlichkeitsarbeit ist es sein besonderes Anliegen, möglichst viele und gerade junge Menschen für den Beruf des Bauingenieurs zu begeistern. Er zeigt in seinem Artikel in der Fachzeitschrift Straße und Autobahn 10/2017 auch auf, dass sich Schule, Wirtschaft und Verwaltung den heutigen Anforderungen schnell und besser anpassen müssen. 

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Der NDR berichtet darüber in seiner Sendung "Schleswig-Holstein-Magazin" am 30. Oktober 2017

quo vadis Ingenieurnachwuchs?
Der zunehmende Mangel an Fachkräften stellt nicht nur Industrie und Handwerk vor massive Probleme. Bauunternehmen, Planungsbüros und öffentliche Verwaltungen suchen qualifiziertes Personal insbesondere im Ingenieurbereich. Vielfach bleiben vakante Stellen monatelang unbesetzt, weil sich keine geeigneten Kräfte finden. Dringend zu erledigende Aufgaben und Investitionen etwa bei der Erhaltung der Verkehrsinfrastruktur müssen verschoben werden oder bleiben liegen. Die VSVI Schleswig-Holstein e. V. greift das Thema auf zu zeigen, wie diese Situation aus Sicht der verschiedenen Fachverbände eingeschätzt wird und welche Perspektiven dort gesehen werden. Dazu befragt unser VSVI-Mitglied Dipl.-Ing. Carsten Carstensen die jeweiligen Verbandsvertreter. 

...erster Teil (BSVI), zweiter Teil (AIK-SH), dritter Teil (LBV.SH)...

Den Anfang in dieser Reihe macht der Vizepräsident der Bundesvereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure e. V. (BSVI),  Dipl.-Ing. Rainer Popp.

Herr Popp, aus der Sicht der Bundesvereinigung haben Sie hier sicher einen ganz guten Überblick: Wie viel technisches Personal wurde in den Straßenbauverwaltungen der Bundesländer abgebaut?
Zunächst möchte ich an die Aufgabenverteilung im Straßenbau erinnern wie sie im Grundgesetz geregelt ist: Die Länder betreiben den Straßenbau im Auftrag des Bundes mit eigenen Verwaltungen und eigenem Personal. Daher kann es naturgemäß keine einheitliche Antwort auf diese Frage geben. 

Die Straßenbauverwaltungen der Länder haben nach unserer Übersicht in den letzten 20 Jahren Personal in einer Größenordnung von 20 % bis 30 % abgebaut – und das trotz zunehmender Aufgaben und immer komplexerer Aufgabenstellungen. Das war und ist unter Berücksichtigung der Verwaltungsreformen und teils massiven Strukturänderungen bis hin zu Privatisierungen von zuvor staatlichen Aufgaben oft zu viel. Manche Verwaltung konnte sich bei der Planung der Straßen und Brücken noch einen gewissen Spielraum schaffen, indem sie z. B. im Straßenbetriebsdienst überproportional Personal abgebaut haben, aber ansonsten sehen wir eine zunehmende Überlastung, die sich auch dramatisch auf die Leistungsfähigkeit auswirkt. 

Wie hoch schätzen Sie den Bedarf an Straßenbauingenieuren ein und kann er Ihrer Meinung nach gedeckt werden?
Der Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren ist in der Bauindustrie, in den Büros und in den Behörden ungebrochen, täglich zu spüren und kann schon heute nicht mehr auch nur ansatzweise gedeckt werden – Stichwort: Fachkräftemangel. Bedenkt man, dass Planen und Bauen immer komplexer, die Spezialisierungen immer feiner und die Projektkommunikation immer aufwändiger werden und dass die Demografie auch vor den Bauschaffenden nicht Halt macht, dann muss allen klar sein, auf welchen Personalengpass wir zusteuern bzw. schon angekommen sind. Wenn jetzt auch noch die Investitionen gerade wegen des immensen Erhaltungsbedarfs hochgefahren werden – was für Deutschland ja richtig und wichtig ist – dann wird sich die Personalsituation noch weiter verschärfen und einen Zustand herbeiführen, der eine fachgerechte Realisierung stark infrage stellt. Noch eine Anmerkung zur Diskussion um die Übernahme der Autobahnen oder gleich aller Fernstraßen durch den Bund. Auch eine Bundesgesellschaft würde vor denselben Problemen stehen, neue und gute Ingenieure zu bekommen. 

Wie viele Studierende im Bauingenieurwesen spezialisieren sich in Straßenbau- und Verkehrstechnik und stoßen in absehbarer Zeit auf den Arbeitsmarkt?

Zum einen hat uns der Bologna-Prozess eine schier unüberschaubare Zersplitterung der Studiengängen im Straßenbau- und Verkehrswesen beschert wie z. B. „Urbane Mobilität“ oder „Internationales Baumanagement“. Zum anderen hat sich der Studierende heute während des Studiums ja noch gar nicht auf eine Fachrichtung festgelegt, so dass uns hierzu keine Zahlen vorliegen. Was wir von den Kollegen aus den Universitäten und Hochschulen hören, ist, dass die Studierendenzahlen im Bauingenieurwesen sich regional sehr unterschiedlich entwickeln. Generell ist aber klar, dass schon heute die aus dem Berufsleben ausscheidenden nicht 1:1 ersetzt werden können. Der Ingenieurmangel wird sich bald noch weiter verschärfen, wenn die starken Jahrgänge – in den Belegschaften sind die 50- bis 60-Jährigen eindeutig die größte Gruppe – in Rente oder Pension gehen. 

 

Wie wird sich die Personalsituation in diesem Bereich aus Ihrer Sicht entwickeln?

Die Lage ist sehr ernst. Unter den Baufirmen ist der Wettbewerb um den nächsten Auftrag hart und die Ingenieurbüros können oft die eigentlich gesetzlich fixierten Honorarsätze nicht erzielen. Bauingenieure verdienen im Vergleich zu Maschinenbau- und Elektroingenieuren deutlich weniger. Ich arbeite in der Bayerischen Straßenbauverwaltung die ebenfalls durch den Sparzwang rund 20 % der Stellen abbauen muss. Mit immer weniger Personal stemmen wir aber immer höhere Investitionen – das geht empfindlich an die Substanz. Die Ansprüche, die die Gesellschaft an eine moderne Straßeninfrastruktur stellt, sind hoch – Tendenz steigend. Leistungsfähig, verfügbar, sicher, umweltschonend sowie radfahrer- und fußgängerfreundlich soll sie sein. Das ist nur mit gut ausgebildetem, hochqualifiziertem und motiviertem Personal zu leisten. Um diese Aufgaben zu bewältigen, muss die Gesellschaft in den kommenden Jahren ein besonderes Augenmerk auf den Nachwuchs legen. Das fängt bei dem Bild des Bauingenieurs in der Öffentlichkeit an und hört bei der Bezahlung auf. Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Infrastruktur auch morgen die hohe Qualität von heute bieten kann. 

Danke für das Gespräch!

...zweiter Teil

In der Fortsetzung dieser Reihe äußert sich die Geschäftsführerin der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein, RA’in  Simone Schmid

Frau Schmid, können Sie aus der Sicht der Kammer einschätzen, wie viel technisches Personal in den Verwaltungen des nördlichsten Bundeslandes abgebaut wurde? 
Ich schätze, dass ca. 20 % bis 30 % an technischem Personal in den Verwaltungen des nördlichsten Bundeslandes abgebaut wurden. Konkrete Zahlen sollten bei den jeweiligen Verwaltungen angefordert werden. 

Wie hoch schätzen Sie den Bedarf an Straßenbauingenieuren ein und kann er Ihrer Meinung nach gedeckt werden? 
Der Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren jedweder Fachrichtungen in den Büros kann grundsätzlich nicht einmal ansatzweise gedeckt werden. Ich stimme daher den Ausführungen von Herrn Popp vollinhaltlich zu. Gerade für unser Bundesland möchte ich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die Ausbildungssituation im Vergleich zu anderen Bundesländern äußerst problematisch ist. Es existiert nur eine Fachhochschule, welche in Lübeck angesiedelt ist. Da die Freie und Hansestadt Ham-burg keine Fachhochschule unterhält, kommen vermehrt Studenten aus Hamburg nach Lübeck, um zu studieren. Diese Studenten sind per se für Schleswig-Holstein verloren, da diese sodann wieder nach Hamburg zurückkehren, um sich dort eine Arbeitsstelle zu suchen. Das Gleiche gilt auch für Studenten, die aus der Region südlich des Nord-Ostsee-Kanals kommen. Denn auch diese zukünftig Studierenden suchen sich entweder einen Studienplatz in Hamburg und bleiben vor Ort oder sie studieren in Lübeck und suchen sich im Anschluss einen Arbeitsplatz in Hamburg. 

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass Schleswig-Holstein für die Freie und Hansestadt Hamburg ausbildet und nicht für das eigene Bundesland. 

Die Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein fordert daher von der Politik einen weiteren Ausbildungsstandort, der zentral in Schleswig-Holstein angesiedelt ist. 

Wie viele Studierende im Bauingenieurwesen spezialisieren sich in Straßenbau- und Verkehrstechnik und stoßen in absehbarer Zeit auf den Arbeitsmarkt? 
Nach Rücksprache mit der Fachhochschule Lübeck spezialisieren sich pro Jahr lediglich 10 bis 15 Studierende für Straßenbau und Verkehrstechnik. M. E. sind das zu wenig Studierende für den Bereich Straßenbau und Verkehrstechnik. Ursächlich hierfür ist, dass der Bedarf nicht gesehen wurde und da-her keine entsprechenden Maßnahmen getroffen wurden. Insoweit bedarf es, um derartige Probleme für die Zukunft zu vermeiden, zunächst Kontinuität in der Politik dahingehend, langfristig Gelder für den Straßenbau zum Zwecke der Planungssicherheit zur Verfügung zu stellen. 

Wie wird sich die Personalsituation in diesem Bereich aus Ihrer Sicht entwickeln? 
Die Situation in diesem Bereich wird sich negativ entwickeln, sofern das Ausbildungsniveau nicht an-gehoben wird. Es muss mehr Qualität anstelle von Quantität geben. Durch den Bologna-Prozess findet eine zunehmende Zersplitterung der Studiengänge statt. Wir müssen gemeinsam mit der Politik Sorge dafür tragen, dass eine qualitativ hochwertige Ausbildung zum Ingenieur/zur Ingenieurin angeboten wird. Eine Rückkehr zum klassischen Diplom-Ingenieur wäre wünschenswert. Entweder ein Diplom-Ingenieur (FH) mit 8 Semestern oder ein Diplom-Ingenieur (TH) mit 10 Semestern. Eine derartige Ausbildung geht selbstverständlich auch mit dem Bachelor- und Masterstudiengang. Dies setzt allerdings voraus, dass der Masterstudiengang konsekutiv erfolgt.

Danke für das Gespräch!

...dritter Teil

In der dritten Fortsetzung dieser Reihe äußert sich zu dem Themenkomplex der Direktor des Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein (LBV.SH), Dipl.-Ing. Torsten Conradt.

Herr Conradt, können Sie aus Ihrer Sicht einschätzen, wie viel technisches Personal in den Verwaltungen des nördlichsten Bundeslandes bzw. konkret in der Straßenbauverwaltung des Landes in der letzten halben Dekade abgebaut wurde?  

Seit Gründung des LBV.SH im Jahre 2005 ist bis Ende 2016 insgesamt  mehr als 20 % der Stellen abgebaut worden. Positiv zu vermerken ist, dass  mit dem Landeshaushalt 2017 erstmals wieder Mittel für die Einstellung von 30 zusätzlichen Planern bereitgestellt worden sind.  Eine große Zahl dieser zusätzlichen Stellen konnte auch bereist besetzt werden. Die ursprünglichen Einspar- vorgaben sahen eine weitere deutliche Reduzierung des Personalbestandes vor. Ich bin zuver- sichtlich, dass mit der neuen Landesregierung diese positive Entwicklung noch weiter bestärkt wird.    

 Wie hoch schätzen Sie den Bedarf an Straßenbauingenieuren für Schleswig-Holstein insgesamt und speziell für Ihre Verwaltung ein und kann er Ihrer Meinung nach gedeckt werden?  

Zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein wurde im Jahre 2016 ein Mehrbedarf von über 200 Stellen beim LBV.SH  für die Abarbeitung insbesondere der zusätzlichen Projekte in Bundesverkehrswegeplan einschließ- lich der Erhaltung für die Autobahnen und Bundesstraßen sowie die zusätzlichen Erhaltungspro- jekte im Landesstraßenbereich ermittelt.  Jetzt muss jedoch vor dem Hintergrund der Ende 2016 vom Bund beschlossenen Neuausrichtung der Verwaltung der Bundesfernstraßen im Rahmen einer bundeseigenen Infrastrukturgesell- schaft eine neue Ermittlung erstellt werden. Dabei wird besonders wichtig sein, dass die Bundes- straßen in Schleswig-Holstein durch den LBV.SH betreut werden. Wir hoffen, den entsprechen- den Prüfauftrag im Koalitionsvertrag entsprechend für den LBV.SH beantworten zu können.  Da der Projektumfang hierdurch sich jedoch nicht verändern wird, sondern eher noch zusätzliche Schnittstellenprobleme entstehen werden, dürfte der Bedarf an Straßenbauingenieuren tenden- ziell eher sogar noch größer werden. Bei den aktuellen Randbedingungen der Studienplatzange- bote in Schleswig-Holstein für Straßenbauingenieure gehe ich nicht davon aus, dass dieser Be- darf  gedeckt werden kann.  

Wie viele Studierende im Bauingenieurwesen spezialisieren sich nach Ihrer Kenntnis in Straßen- bau- und Verkehrstechnik und stoßen in absehbarer Zeit auf den Arbeitsmarkt?  

Konkrete Zahlen liegen dem LBV.SH hierzu nicht vor. Die Bewerbersituation bei den aktuell erfreulicherweise wieder verstärkt durchgeführten Stellenausschreibungen zeigt jedoch, dass hier nicht genügend Studierende einen entsprechenden Abschluss erlangen.   

Wie wird sich die Personalsituation in diesem Bereich aus Ihrer Sicht entwickeln?  

Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, müssen wir mehr junge Menschen für technische Studiengänge aber auch Ausbildungsberufe begeistern und ebenfalls auch mehr Studien- und Ausbildungsplätze in diesen Bereichen bereitstellen.   

Weiterhin gilt es bei den Straßenbauverwaltungen attraktive Arbeitsplätze mit einer angemessenen Bezahlung und überzeugenden Arbeitsbedingungen anbieten zu können.

Danke für das Gespräch!

Fortsetzung folgt!